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Historische Kalenderblätter

Ernst Wiechert - 65. Todestag

 

 

 

 

August 2015



Ernst Wiechert  (*18. Mai 1887 in Kleinort, Kr. Sensburg; 24. August 1950 in Uerikon am Zürichsee)



Ernst Wiechert wurde am 18. Mai 1887 als zweites von drei Kindern der Eheleute Emil und Henriette Wiechert, geb. Andreae, im Forsthaus Kleinort bei Sensburg geboren. Nachdem er schon in frühen Jahren das Klavier- und Geigenspiel erlernt bekam, erhielt er bis 1898 Unterricht durch einen Hauslehrer. Dem Besuch der Königlichen Oberrealschule auf der Burg in Königsberg folgte das Studium der Fächer Erdkunde, Englisch, Deutsch und Philosophie an der Albertina. Nach dem Staatsexamen für den Höheren Lehrdienst arbeitete er ab 1911 zunächst am Friedrichskollegium, ehe er als Studienrat an das Königliche Hufengymnasium in Königsberg wechselte, wo er seine spätere Frau Meta Mittelstädt kennenlernte. 1914 zog Wiechert als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg, wo er durch Granatsplitter mehrfach verwundet wurde. Nach seiner Rückkehr verfasste er erste Gedichte und Erzählungen, die auf der Basis jener Abschriften entstanden, die er während des Krieges angefertigt hatte. In seinen poetischen Erzählungen umschreibt er Ostpreußen als erholsame Ruhestätte mit weitläufigen Seen, Wäldern und Moorlandschaften. Ähnliche Beschreibungen finden sich auch in zwei seiner ersten Romane. In »Der Wald« (1922) und »Der Totenwolf« (1924) erläutert Wiechert  seine literarischen Leitmotive über die Einsamkeit der masurischen Natur und den Schwermut der dunklen Wälder. Nicht zuletzt aber auch seine Fronterfahrungen im Ersten Weltkrieg, die einher geht mit einer vehementen Stadt- und Zivilisationskritik. Wie seine Mutter (1912) beendete auch seine Ehefrau Meta ihr Leben durch Suizid (1929). Der Schriftsteller nimmt diesen schweren Schicksalsschlag zum Anlass, von Königsberg nach Berlin zu wechseln. Am städtischen Kaiserin-Augusta-Gymnasium konnte Ernst Wiechert seine Arbeit als Studienrat weiterführen und zum zweiten Mal heiraten (1932). Im April 1933 siedelte er in die Nähe des oberbayerischen Städtchens Wolfratshausen, wo er als freier Schriftsteller viele Jahre lebte. Hier wurde er als naturverbundener Erzähler von den Nationalsozialisten misstrauisch beobachtet. Seine Werke wurden zwar geduldet, doch durfte sein Name weder auf Prospekten, noch auf Büchern stehen. Wiederholt kritisierte Wiechert daraufhin die NS-Repressionen, weshalb er für drei Monate im KZ Buchenwald inhaftiert war. Nach seiner Entlassung setzte er sich dennoch weiterhin für die Opfer des Nationalsozialismus ein, da er wusste, dass er als meistgelesener Autor seiner Zeit eine mächtige Stimme in der Gesellschaft besaß. Wegen seiner kritischen Haltung zum NS-Staat – öffentlich vorgetragen unter anderem 1933 und 1935 vor Studenten in München – stand er lange unter Gestapo-Aufsicht. Mehrfach wurden Reise- und Arbeitsverbote gegen ihn verhängt, woraufhin er sich allmählich zurückzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Wiechert nach Uerikon in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tod am 24. August 1950 viele Reisen unternahm und mehrere Lesungen abhielt.

 

Ernst Wiechert verfasste neben einigen Gedichten vor allem viele Novellen und Romane, in denen er Ostpreußen mit einem künstlerisch begabten Sprachstil umschrieb. Als »pädagogischer Schriftsteller«, wie er sich selbst sah, blieb er seiner Heimat eng verbunden. Masuren beschrieb er oft als Land der Wälder und Seen, das im Gegensatz zu modernen Städten behutsam und rein sei. Nahezu alle seine Werke sprechen eine unverhohlene, teils schwermütige Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit aus, die eng verbunden war mit dem persönlichen Schicksal des Autors. Seine Stimme hatte Gewicht, da sie bis zuletzt gefüllt war von Trost und Lebenshilfe. Er selbst bezeichnete Kunst einmal als »Licht für die im Dunklen Gehenden, ein Trost für die Trostlosen« und genauso sollten seine Arbeiten verstanden werden.

 

Zusammen mit polnischen und russischen Germanisten erforscht die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft e.V. seit 1989 das Wirken des Schriftstellers. In regelmäßiger Abfolge publiziert die Gesellschaft verschiedene wissenschaftliche Schriftenreihen. Darüber hinaus veranstalten die Mitglieder Tagungen, Vorträge, Lesungen, Exkursionen und Ausstellungen.

 

 

 

Werke



Romane und Erzählungen (Auswahl)


Die Flucht, 1916

Der Wald, 1922

Der Totenwolf, 1924

Die blauen Schwingen, 1925

Die Flöte des Pan, 1930

Die Magd des Jürgen Doskocil, 1932

Die Majorin, 1934

Wälder und Menschen, Jugenderinnerungen, 1936

Das einfache Leben, 1939

Die Totenmesse, 1945

Der Totenwald, 1946

Missa sine nomine, 1950

Es geht ein Pflüger übers Land, 1951

Häftling Nr. 7188, 1966 (posthum)

 

 

Reden (Auswahl)


Abschiedsrede an die Abiturienten, gehalten am 16. März 1929 in Königsberg

 

Der Dichter und die Jugend, gehalten am 6. Juli 1933 in München

 

Der Dichter und die Zeit, gehalten am 16. April 1935 in München

 

Rede an die deutsche Jugend, gehalten am 11. November 1945 in München

 

Gedenken der Toten, Rede bei der ersten Dachau-Gedächtnis-Kundgebung am 17. Mai 1947

 

 

Ehrungen (Auswahl)


1929 Literaturpreis der Europäischen Zeitschriften

1932 Volkspreis für Dichtung der Wilhelm Raabe-Stiftung

1987 Stiftung des Ernst-Wiechert-Preises der Stadtgemeinschaft Königsberg

1987 Gründung des Ernst-Wiechert-Förderkreises Deutschland zu Wiecherts 100. Geburtstag

1989 Gründung der Internationalen Ernst Wiechert-Gesellschaft e. V. (IEWG)

1996 Einrichtung des Ernst Wiechert Museum im Geburtshaus in Kleinort

2000 Deutsche Gedenkbriefmarke anlässlich des 50. Todestages

2005 Ernst-Wiechert-Gedenkkabinett am ehem. Hufengymnasium in Königsberg/Kaliningrad

2007 Ernst-Wiechert-Museum im alten Rathaus von Sensburg

 

 

Literatur (Auswahl)


Hans Ebeling: Ernst Wiechert. Das Werk des Dichters. Berlin 1937.

 

Ernst Wiechert. Der Mensch und sein Werk. Eine Anthologie, München 1951.

 

Guido Reiner: Ernst-Wiechert-Bibliographie, 3 Bd. Paris 1972.

 

Jörg Hattwig: Das Dritte Reich im Werk Ernst Wiecherts. Geschichtsdenken, Selbstverständnis und literarische Praxis. Frankfurt/Main u.a. 1984.

 

Leonore Krenzlin: Auf der Suche nach einer veränderten Lebenshaltung. Ernst Wiechert: „Das einfache Leben“. In: Sigrid Bock (Hg.), Manfred Hahn (Hg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933–1945. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1987.

 

Hugh Alexander Boag: Ernst Wiechert: The Prose Works in Relation to his Life and Times. Stuttgart 1987.

 

Annette Schmollinger: Intra muros et extra. Deutsche Literatur im Exil und in der inneren Emigration. Ein exemplarischer Vergleich. Heidelberg 1999.

 

Leonore Krenzlin: Zwischen allen Stühlen. Ernst Wiechert in der politischen Öffentlichkeit 1933–1947. In: Lothar Bluhm (Hg.): Spurensuche. Alfred Döblin – Ernst Wiechert – Johannes Urzidil – Jochen Klepper: Deutsch-polnisch-tschechische Begegnungen mit einer vergessenen Klassik der Moderne, Hamburg 2000.

 

Bärbel Beutner, Hans-Martin Pleßke (Hgg.): Von bleibenden Dingen. Über Ernst Wiechert und sein Werk. Verlag R.G. Fischer, Frankfurt a.M. 2002.

 

Leonore Krenzlin, Klaus Weigelt (Hg.): Ernst Wiechert im Gespräch. Begegnungen und Einblicke in sein Werk, Berlin 2010.

 

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