Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

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Historische Kalenderblätter

Emil Wiechert - 155. Geburtstag

 

 

 

 

Dezember 2016



Emil Wiechert wurde am 26. Dezember 1861 in Tilsit als einziges Kind des Kaufmannes Johann Wiechert und dessen Frau Emilie geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters besuchte er das Realgymnasium in Königsberg, wo er 1881 sein Abitur machte. An der Albertus-Universität begann er kurz darauf Physik zu studieren. Der Promotion (1889) folgte die Habilitation (1890) unter dem damaligen Rektor der Universität Paul Volkmann. Emil Wiechert betrieb in der Folge eine Vielzahl von Forschungen über den Aufbau der Materie, die er experimentell mit Kathodenstrahlen durchführte. Darüber hinaus untersuchte er die Eigenschaften der Elektrizität, wobei ihm bei der Bestimmung der Ladung zur Masse eines Elektrons ein großer wissenschaftlicher Erfolg gelang. Für seine herausragenden Arbeiten erhielt Wiechert im Frühjahr 1897 den weltweit ersten Lehrstuhl für Geophysik an der Universität Göttingen. Das Institut untersuchte in den Folgejahren die erdmagnetischen, seismischen und meteorlogischen Veränderungen im Erdinneren und in der Atmosphäre. Nur wenige Jahre nach der Beförderung zum Direktor (1898) entstand auf Wicherts Bestreben ein weitreichendes Netz an Erdbebenwarten in verschiedenen Ländern der Welt. Ein Standardinstrument dieser Einrichtungen wurde der wegen seiner neuartigen Aufzeichnungs- und Vergrößerungsmöglichkeiten eingesetzte, luftgedämpfte Wiechert‘sche Seismograf. Mit den aufgezeichneten Daten der Bodenbewegung konnten nicht nur Erdbebenwellen dokumentiert, sondern auch die einzelnen Erdschichten erforscht werden. 1902 veranlasste Emil Wiechert den Bau eines Observatoriums auf Samoa, welches bis zum Ende des Ersten Weltkrieges von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften betrieben wurde und die Grundlagen für weitere geophysikalische Untersuchungen schuf. Emil Wiechert erforschte jedoch nicht nur das Erdinnere, sondern auch die Elektrizität innerhalb der Atmosphäre. Viele seiner Studenten wurden später ebenfalls bedeutende Geophysiker, wie der Seismologe Beno Gutenberg, der zusammen mit dem US-Amerikaner Charles Francis Richter die Magnituden-Skala (»Richter-Skala«) zur Bestimmung der Erdbebenstärke entwickelte. Wiechert veröffentlichte eine Vielzahl von Forschungsarbeiten, wobei vor allem seine Theorien über die Elektrodynamik heute noch zu den Standardwerken der theoretischen Physik gehören. 1912 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Russische Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg aufgenommen. Anteil hatte er auch an der Entwicklung der Relativitätstheorie, wobei sein praktisches und theoretisches Arbeitsfeld stets die Seismologie blieb. Die Gründung der Deutschen Seismologischen Gesellschaft ging auf Anstoß Emil Wiecherts zurück. Die hieraus hervorgegangene Deutsche Geophysikalische Gesellschaft benannte ihre Auszeichnung für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Geophysik daher auch nach ihm. Mehrere Rufe auf renommierte Lehrstühle lehnte Emil Wiechert bis zuletzt ab. Zusammen mit seiner Frau Helene Ziebarth, die er 1908 geheiratet hatte, und seiner Mutter Emilie Wiechert (1927) lebte er bis zu seinem Tod am 19. März 1928 weitgehend zurückgezogen in der Nähe der Universität Göttingen.

 

Emil Wiecherts große Verdienste liegen in der Begründung der geophysikalischen Erforschung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in ihren Anfängen stand. Als erster Wissenschaftler nutzte Wiechert hierbei neue Methoden und Apparaturen, durch die nicht zuletzt die Existenz von Elektronen nachgewiesen werden konnten. Wiechert selbst erläuterte seine Beobachtungen im Frühjahr 1896 bei einem Vortrag vor der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft in Königsberg. International wird Emil Wiechert nach wie vor als einer der bedeutendsten deutschen Seismologen und Geophysiker angesehen. Das von ihm gegründete seismische Observatorium in Göttingen ist als Wissenschaftsdenkmal noch immer in Betrieb. Es ist die einzige Einrichtung, die mit ihren Aufzeichnungen genaue Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der einzelnen Erdschichten ziehen kann. 2011 veröffentlichte die Deutsche Post zum 150. Geburtstag Emil Wiecherts eine Sonderbriefmarke. Ein Krater auf dem Mond wurde zudem nach Wiechert benannt.

 

 

 

 Sonderbriefmarke für Emil Wiechert von 2011

 

 

 

Literatur (Auswahl)

 

Gerecke, F.: Über Emil Wiechert, in: Veröffentlichungen des Instituts für Bodendynamik und Erdbebenforsch 72 (1962), S. 5-14

 

Mulligan, J.F.: Emil Wiechert (1861–1928). Esteemed seismologist, forgotten physicist, in: American Journal of Physics 69 (2001), S. 277-287

 

Rothé, E.: Conférence sur les Travaux de Emil Wiechert, in: Gerlands Beitrag zur Geophysik 28 (1930), S. 390-412

 

Schröder, W.: Emil Wiechert: Physiker – Geophysiker – Wissenschaftsorganisator, in: Mitteilungen des Arbeitskreises Geschichte der Geophysik, Nr. 19, Bremen 2000

 

Ders.: Arnold Sommerfeld und Emil Wiechert, in: History of Exact Sciences 32 (1985), S. 77-93

 

Stelzner, L.: Verzeichnis der Veröffentlichungen von Emil Wiechert, Jena 1962

 

Zum Gedenken Emil Wiecherts anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages, Berlin 1962 (Veröffentlichungen des Institutes für Bodendynamik und Erdbebenforschung Jena)

 

 

Werke (Auswahl)

 

Grundlagen der Elektrodynamik, Göttingen 1899

Theorie der automatischen Seismographen, Berlin 1903

Über Erdbebenwellen, Göttingen 1907

Bestimmung des Weges der Erdbebenwellen im Erdinneren, Göttingen 1910

 

 

Internet (Auswahl)

 

Wiechertsche Erdbebenwarte Göttingen

Wiechert Seismometer

 

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