Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

Historisches
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November 2019

 

 

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Historische Kalenderblätter

Wilhelm Franz Epha - 115. Todestag

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September 2019

 

 



* 8. November 1828 in Goldap   + 16. September 1904 in Rossitten

 

Sterbende Wälder und verschüttete Dörfer waren die Ergebnisse des Vorrückens der Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung. Waldbrände, Sturmfluten, vor allem aber starke Entwaldung, besonders während des Siebenjährigen Kriegs, gaben den Anstoß zum Wandern. Der Kampf gegen die Wanderdünen wurde systematisch erst im 19. Jahrhundert aufgenommen. Die Arbeit von Björn, Senftleben, Kuwert und anderen musste aber Stückwerk bleiben, weil die richtige Methode noch nicht gefunden worden war. Wilhelm Franz Epha gilt zu Recht als der Bezwinger der Wanderdünen. 1828 in Goldap geboren, die Familie war 1740 aus dem Unter-Elsass eingewandert, erhielt er eine forstliche Ausbildung im Forstamt Nassawen (Rominter Heide). 1846 trat er in das Ostpreußische Jägerbataillon Nr. 1 in Braunsberg ein.

 

1857 schied er aus und wurde von der Memeler Kaufmannschaft als Forstschutzbeamter angestellt. Das spätere Seebad Försterei entstand auf einem von ihm ausgeforsteten Dünengelände. Im Jahr 1864 wurde Franz Epha zum Königlichen Dünen-Plantagen-Inspektor und Badekommissar nach Cranz berufen. Hintergrund war die Entscheidung der preußischen Regierung, die Kurische Nehrung zu retten: Immerhin standen die Nehrungsdörfer, die Haff-Fischerei, die Poststraße und das Memeler Tief mit dem Hafen auf dem Spiel. So bedeutend Franz Ephas Arbeit auch war, die Grundlage seines Erfolgs war die Existenz der acht bis zehn Meter hohen Vordüne am Ostseestrand. Deren Bau zieht sich durch das ganze 19. Jahrhundert. Durch die Errichtung etwa siebzig Zentimeter hoher Strauchzäune fing sich der Flugsand und bildete einen ständig wachsenden Sandwall. War nach einiger Zeit der Zaun verschüttet, legte man auf dem Wall neue Reihen von Strauchzäunen an. Dazwischen wurden Sandgräser gepflanzt, meist Strandhafer und Strandroggen, die mit ihren tiefen Wurzeln das Grundwasser erreichen und äußerst anspruchslos sind.

 

Was die Bepflanzung der großen Dünen anging, so bestand die herkömmliche Methode darin, zunächst Strandhafer und andere Sandgräser anzupflanzen, anschließend Stranddisteln. Zwischen ihnen bildete sich Moos, das den Grund für die Krüppelkiefer vorbereitete. Dieser Prozess konnte sich über Jahrzehnte hinziehen. Soviel Zeit hatte Franz Epha nicht. Deshalb entwickelte der Düneninspektor die Methode seines Vorgängers Krause weiter: Epha ließ auf den Dünen rechtwinklig kreuzende, etwa dreißig Zentimeter hohe Strauchzäune aus Reisig und Rohr anlegen, in deren Kammern Zwergkieferpflänzchen gesetzt wurden. Später kam die Bergkiefer hinzu, die vor allem in die Breite wächst. Rund die Hälfte des 79 Kilometer langen Dünenwalls blieb unbepflanzt, so dass sich bis heute vier große Dünengebiete erhalten haben: Sarkau-Rossitten, Rossitten-Pillkoppen, Pillkoppen-Nidden und Perwelk-Schwarzort.

 

Die Methode war gefunden, aber die Zeit drängte. Ephas erste große Aufgabe begann 1877 mit der Festsetzung der etwa 48 m hohen Bruchberge bei Rossitten, wofür der Düneninspektor seinen Wohnsitz dorthin verlegte. 1882 war das Werk getan, das Möwenbruch war gerettet. 1887/1892 gelang ihm seine größte Leistung: Vor Pillkoppen brachte er den bedrohlich über der Ortschaft hängenden Petschberg (61 m) zum Stillstand, der bereits die ersten Häuser erreicht hatte. Aus Dankbarkeit nannten die Pillkoppener 1891 den Gipfel der Düne Ephas Höhe und errichteten an der Nehrungsstraße einen Gedenkstein. Diese Maßnahme, die ein ganzes Nehrungsdorf mit 18 Wohnhäusern und 123 Einwohnern vor dem Schicksal des sicheren Versandens rettete, trug ihm den unbestrittenen Ruf als erfolgreichen Bezwinger der Wanderdünen ein.

 

Ab 1897 bepflanzte er die Dünen bei Preil Perwelk. 1875/85 legte Franz Epha den Urbo-Kalns und Angiu-Kalns bei Nidden fest, ab 1891 begannen auch die Arbeiten bei Schwarzort und der Süderspitze. Wie kein anderer hat Franz Epha die landschaftliche Gestalt der Kurischen Nehrung geformt. Neben den Aufforstungsarbeiten lag ihm besonders die Hege der Elche am Herzen. Franz Epha war zwei Mal verheiratet und hatte vier Kinder. Im Laufe seiner Tätigkeit vereinigte der als starke Persönlichkeit bekannte und hochgeachtete Mann so viele Ämter in seiner Person (Düneninspektor, Strandvogt, Oberfischmeister und Oberbademeister), dass er allgemein der „König von Rossitten“, später der alte Dünenkönig genannt wurde. Für seine Verdienste erhielt Franz Epha 1896 den Roten Adlerorden 4. Klasse, eine für Bürgerliche sehr hohe Auszeichnung. 1903 trat er im Alter von 76 Jahren in den Ruhestand und verstarb am 16. September 1904 hochgeachtet in Rossitten.

 

 

Literatur:

 

Altpreußische Biographie, hrsg. von Christian Krollmann, Bd. I, Königsberg i. Pr. 1941.

Neue Deutsche Biographie, 4. Bd., Berlin 1959.

Oscar Schlicht: Die Kurische Nehrung in Wort und Bild, Königsberg i. Pr. 1924.

Karl Hein Paul: Morphologie und Vegetation der Kurischen Nehrung, Nova Acta Leop., N. F. 134, Nr. 96, Halle 1944.

 

 


Verfasser: Wolfgang Freyberg

Abbildungen: Bildarchiv Kulturzentrum Ostpreußen


Die Rechte zur Nutzung der Abbildungen mit dem Text obliegen dem Kulturzentrum Ostpreußen.

 

 


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